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Kinshasa – Académie de Beaux-Arts

„Kin la belle“, „mein Paris“ nennt Peter Weihs die Hauptstadt von Zaire, als er die schwarzafrikanische Metropole für sich erobert. 1972 nimmt er die Berufung als Lehrbeauftragter für Keramik an der Académie des Beaux-Arts an. An der größten und damals bedeutendsten schwarzafrikanischen Kunstakademie wagt er sich an die schwierige Aufgabe, Schülern aus einem völlig anderen Kulturkreis die eigenen Fertigkeiten und künstlerischen Umsetzungsmöglichkeiten in Ton zu vermitteln.

Kinshasa erlebt damals, nach der Unabhängigkeit von Belgien seine beste Zeit. In der „Belle Epoque“ ist alles möglich, für einige Jahre blühen auch Kunst und Kultur. Kinshasa gefällt sich als Schmelztiegel aller Rassen, mit seinen populären Bands und Open-Air-Lokalen ein wahrer musikalischer Hexenkessel, pulsierend, voll Lebensfreude, ansteckend und animierend.

An der Académie findet Peter Weihs auf Anhieb den richtigen Draht zu seinen Schülern. Gegenseitiger Respekt ermöglicht einen äußerst fruchtbaren Austausch.
Ganz ohne Missionierungseifer und akademischen Hochmut gelingt es dem Europäer, die vorhandenen künstlerischen Kräfte seiner schwarzen Studenten zu mobilisieren, immer mit dem Anspruch, deren kulturelle Identität zu wahren. 20 Jahre dauert sein Engagement, bis die Barbarei, Gewalt und Elend des Bürgerkriegs den Kongo wieder in seinen Klauen hat. Generationen von StudentInnen und Absolventen erwerben bis dahin mit einer fundierten Ausbildung nicht nur den akademischen Grad, sondern auch die überlebenswichtige Chance, mit ihrer Keramik, mit ihrer Kunst auch eine bescheidene Existenz aufzubauen.

Die Zeit in Afrika ist auch ein neuer Höhepunkt im Schaffen von P.Weihs.
Es entstehen große, feinst gearbeitete Skulpturen aus afrikanischem Holz, die zu den besten bildhauerischen Arbeiten des Künstlers zählen. Auch in der Malerei bereichert eine neue Facette das Oeuvre. In diesem pittoresken Ambiente, in „seinem Paris“ wird Weihs auch zum Chronisten des Alltags in „Kin la belle“. Die Öl-und Acryl-Bilder vom Treiben in den Bars, Tanz- und Musiklokalen Kinshasas, aus den Hinterhöfen, Gemälde mit Szenen beim Fetischeur etwa und vom „Grand marché“ sind bei den Vernissagen in Kinshasa begehrte Objekte für internationale Sammler.

Wenn das Material knapp wird, greift Weihs gerne auch zu den Buntstiften, um seine Vorstellung, seine innere Sicht der Dinge auf Papier zu bringen. Aus einer ritualisierten täglichen Übung frühmorgens entstehen ganze Bände von Bleistiftzeichnungen, die wiederum als Ideenskizzen für Gemälde und Skulpturen herhalten.
Er wohnt in einer Villa in der Cité und später direkt auf dem Académie-Gelände. In Kinshasa ist er täglich auch nachts unterwegs, ohne Auto, aber in engem Kontakt mit den Menschen. Seine Freunde bezeichnen ihn als den „schwärzesten Weißen“ im Land.

Sein Engagement für einen interkulturellen Dialog und seine Arbeit für das Land werden mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Republik Zaire gewürdigt.
Die berühmte Nationaltanztruppe der Republik Zaire, das „Ballet national“ ehrt den Künstler mit einem außergewöhnlichen Auftrag. In den 1970er Jahren entwirft und gestaltet Peter Weihs als erster Weißer mehrmals die Masken der weltbekannten schwarzafrikanischen Artistentruppe.
Und in der Académie de Beaux-Arts in Kinshasa ernennt ihn das Kollegium beim unvermeidlichen Abschied nach 20 Jahren Lehrtätigkeit zum Ehrenprofessor auf Lebenszeit.